Page 8 - Katalog Stadtbad 1121
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Der buschige Kopf einer Hydra streckt aus seinem weißgezahn-
ten Maul eine schwarze Zunge heraus, auf der sich weiße Herzen
tummeln. Margareta Udrescu hat keine Angst vor Ungeheuern.
Sie sitzt in Bukarest auf ihrem Bett, zeichnet und malt auf kleinen
Karten, DIN A 4-Blättern und großen weißen Papieren.
Sie schreibt Geschichten hinein, eigene und die von Freunden,
die vor ihrem Übermut erschrecken und vor ihren leuchtenden
Regenbogenfarben staunen. Sie ist jung und sieht sich umgeben
von einer heiteren Welt von fliegenden Fischen, Zeppelinen,
Segelbooten und Schmetterlingen. Auf dem Zifferblatt einer Uhr
zeigt der Stundenzeiger zwischen 13 und 1 auf die Doppelschlei-
fe der Unendlichkeit.
Sie lebt im Südosten Europas in einem Land, das die Freiheit des
Übermuts nach langen Jahren der Unterdrückung und Einschüch-
terung langsam lernt. In der fernen Stadt Aachen im Nordwes-
ten Europas sollte der Präsident Rumäniens, so erzählte ihr Radu
Dobre-Sima, für die Freundschaft zu Europa geehrt werden.
Sie zeichnete begeistert die zierlichen Frauenhände Rumäniens
und Europas und die Herzen ihres Landes, die sich mit denen aller
Länder des Kontinents vereinen. Und als ihr Freund von Karl der
Großen erzählte, der vor langer Zeit in Aachen residiert habe, da
stellte sie sich den Gekrönten als burschikose Männerfigur so vor,
dass keiner Angst vor ihm haben sollte.
Es wäre schade gewesen, diese Zeichnungen in der Zeit der Ver-
leihung des Karlspreises nicht in Aachen auszustellen.
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